05März

Learning by Aua

Warum wir besser lernen, wenn's weh tut.

Learning by Aua

Viele fragen sich, warum der eigene Lebensweg - zumindest zeitweise - mit so vielen Stolpersteinen versehen sein muss. Warum muss immer alles so schwierig sein? Warum tut Erfahrung oft so weh? Ganz einfach: Weil wir dummerweise erst dann am meisten lernen, wenn es weh tut und wir unsere Komfortzone verlassen müssen. Wie mein Bürokater Max sich es gerade so auf dem Heizkörper neben meinem Schreibtisch bequem gemacht hat, fällt mir dazu eine kleine Anekdote ein, die die Abläufe im „Learning-by-Aua-Prozess“, wie ich ihn gerne scherzhaft nenne, ganz gut veranschaulicht:

 

Unsere Küche trennt eine kleine Durchreiche vom Essbereich in unserem Wohnzimmer, die Max gerne als Abkürzung nutzt, um vom einen in den anderen Raum zu gelangen. Behände springt er meist in einem Satz auf den Sims der Durchreiche, läuft über die kleine Kommode, die wohnzimmerseitig direkt davor steht und hüpft ins Wohnzimmer. Just an diesem Tag stand noch das Tablett mit dem Frühstücksgeschirr und einer leeren Keksdose vom Weihnachtsgebäck mit offenem Deckel darauf. Doch ein Kater lässt sich ja von derlei Hindernissen nicht abhalten. Grazil wie die Schlangenfrau aus dem Zirkus umtänzelt er die Hürden auf dem Tablett. Dabei merkt er in seiner Euphorie gar nicht, dass er mit der Hinterpfote die Keksdose seitlich leicht berührt hat, was den losen Deckel ins Wackeln bringt. Der Deckel fällt und schlägt nur ein paar Millisekunden nach Max mit lautem Getöse hinter ihm auf den Fliesen auf. Max ist davon so erschrocken, dass er mit extrem buschigem Schwanz blitzartig hinter der Couch verschwindet. Vorwurfsvoll sehen mich seine Augen aus seinem Versteck an, ganz nach dem Motto „warum nur wirfst Du mit Keksdosendeckeln nach mir und erschreckst mich dabei so?“. Dass er selbst der Auslöser seines Angstszenarios war, kommt ihm dabei gar nicht in den Sinn.

Dieses kleine fast schon slapstickartige Kurzschauspiel bringt es ganz gut auf den Punkt. Auch wir manövrieren uns durch dem „Schockereignis“ vorausgehende Entscheidungen in eine Situation, die uns erkennen und wachsen lässt. Da wir geübte Selbsttäuscher sind, schaffen wir es dann uns selbst mit den Folgen dieser so zu überraschen, dass wir in der ersten Schrecksekunde annehmen, etwas wäre von außen über uns hereingebrochen. Wir sind in gewisser Weise benommen, verwirrt und fühlen uns zunächst als Opfer der Umstände. Erst wenn wir es schaffen diesen Prozess in den richtigen Gesamtzusammenhang zu stellen wird uns klar, was wirklich abgelaufen ist und, dass so manche Abkürzung auf unserem Lebensweg vielleicht doch nicht immer die richtige war. Die Entscheidung über eine Neuausrichtung des weiteren Weges wird dadurch ein ganzes Stückchen leichter und klarer.

Aus: Natur-Coaching - Eigene Wege aus Stress, Angst und Burnout finden (Hardcover, 124 S.)

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