Krankheit als Geschenk?

  • Dirk Stegner

Die Sprache des Körpers verstehen und nutzen: Wenn es einem nicht gut geht, möchte man vor allem eins: die lästigen Wehwehchen sollen verschwinden. Und das möglichst schnell. Ich will schließlich jetzt einfach weiterarbeiten oder mit den Freunden am Wochenende feiern. Kranksein kann ich da jetzt gar nicht gebrauchen. Schnell eine Pille genommen und weitergeht’s. Ich fühle mich schließlich wieder fit. Aber würden Sie so z.B. auch mit ihrem Auto umgehen?

Stellen Sie sich vor, in Ihrem Wagen brennt die Warnleuchte für das ABS-System. Sie signalisiert Ihnen, dass irgend etwas mit der Bremse wohl nicht stimmt. Sie fahren in die Werkstatt. Der Meister baut kurz die Instrumententafel aus, knipst vor Ihren Augen mit der Zange den Draht zum Warnlämpchen durch und baut alles wieder ein. Er dreht den Zündschlüssel um und siehe da die lästige Lampe ist aus. Keine Warnlampe, kein Fehler oder?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Werkstattmeister danach nicht’s mehr zu lachen hätte. Mit diesem Beispiel möchte ich aber deutlich machen, dass auch die Krankheitssymptome so etwas wie Warnlämpchen sind. Sie sind die natürliche Sprache unseres Körpers. Ähnlich wie in meinem kleinen Autovergleich, wären wir gut beraten nicht einfach nur die Symptome abzustellen, sondern uns Gedanken darüber zu machen, was die Ursachen sein könnten die dahinter stecken.

Krankheit und ihre Symptome sind also nicht der eigentliche Gegner, den es zu bekämpfen gilt. Wie sinnvoll wäre auch der Kampf gegen ein „Warnlämpchen“? Vielleicht wäre es sinnvoller sie wieder als das zu nutzen, was sie tatsächlich sind: Symbole [1].

[1] Dr. Rüdiger Dahlke; Krankheit als Symbol: Ein Handbuch der Psychosomatik. Symptome, Be-Deutung, Einlösung. C. Bertelsmann; Erstausgabe 1996.


Dirk Stegner

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